Ein Artikel von Michael Böhnhard, dem Übersetzer der Doctor Nikola-Romane
Der Teufel steckt im Detail und in harmlos klingenden Nebensätzen tun sich mitunter Abgründe auf. Doctor Nikola, genialer Verbrecherstratege, besessener Wissenschaftler, ein Abenteurer auf der Suche nach dem ewigen Leben – kurzum: ein gefürchteter Mann, den niemand gern zum Feind hat. Darum erklärt er einem Mitstreiter einigermaßen selbstsicher, dass ihr chinesischer Helfer lieber den Tod der Tausend Klingen sterben würde, als ihn, Nikola, zu hintergehen.
Wirklich? Ich hege da gewisse Zweifel. Die Formulierung sagte mir nichts, darum habe ich nachgeforscht. Die Hinrichtungsart, um die es hier geht, wird meist mit Tod der Tausend Schnitte übersetzt. In dem Reisebericht „The peoples and politics of the Far East“, den Sir Henry Norman 1895 veröffentlichte, findet sich etwa folgende Beschreibung (S. 224 f. ):
Eine chinesische Strafmethode, (…), verdient besondere Aufmerksamkeit. Es handelt sich um ling-chi, oder den Tod der Tausend Schnitte. Man spricht auch vom langsamen Sterben oder dem In-Stücke-Schneiden. Diese Strafe ist dreifachen Mördern und Elternmördern vorbehalten, aber das Gesetz ist dabei wahrscheinlich ähnlich elastisch wie in anderen Aspekten. (…)